Ben Seghir: Das versteckte Millionen-Problem, das Leverkusen jetzt lösen muss
Nach dem Sieg gegen Manchester City wirkte Malik Tillman zusammen mit seinen Mannschaftskollegen Jarell Quansah und Ibrahim Maza beim Flughafen deutlich entspannt. Die drei Neuzugänge des Sommers strahlten Zufriedenheit aus und unterhielten sich lebhaft auf dem Weg zum Charter-Flugzeug. Eliesse Ben Seghir hingegen lief schweigend neben ihnen her, hörte Musik und nahm nicht am Gespräch teil.
Diese Szene verdeutlichte Ben Seghirs isolierte Position im Team. Der marokkanische Offensivspieler gehört zwar zum Kader, sitzt aber regelmäßig auf der Bank. In Manchester blieb er alle 90 Minuten ohne Einsatz, obwohl noch viele Auswechslungen möglich gewesen wären. Diese Entscheidung signalisierte, dass der Trainer ihn für dieses Niveau noch nicht bereit hielt.
Der 20-Jährige war im August für 32 Millionen Euro aus Monaco nach Leverkusen gewechselt. Anfangs kam er zu Spielen, konnte aber seine technischen Fähigkeiten aus zwei Gründen nicht zeigen. Erstens war die Mannschaft noch nicht eingespielt und setzte auf defensive Stabilität statt auf kreatives Spiel. Zweitens fehlte Ben Seghir die körperliche Kraft für sein Tempo- und Dribbelspiel.
Der marokkanische Nationalspieler hinkt körperlich hinterher, während die übrigen Sommereinkäufe für etwa 200 Millionen Euro integriert wurden. In der abgelaufenen Saison hatte er noch in allen zehn Champions-League-Spielen für Monaco gestanden. Mittlerweile funktioniert Leverkusens Team ohne ihn, und er bleibt das einzige Großtalent, das bislang nicht durchgebrochen ist.
Der Klub versucht aktiv, Ben Seghir zu unterstützen. Der marokkanische Verband stellte ihm einen speziellen Trainingsplan zur Verfügung und absolvierte intensives Extra-Training mit ihm. Von Woche zu Woche verringern sich seine physischen Defizite. Trainer Kasper Hjulmand arbeitet geduldig mit dem jungen Spieler, was eine völlig neue Erfahrung für den Techniker darstellt.
In Monaco war sein Verhältnis zum früheren Trainer Adi Hütter angespannt gewesen. Nach einer Verletzung wollte Hütter ihn zu schnell wieder einsetzen. Ben Seghir fühlte sich unter Druck, verlor das Vertrauen und verweigerte schließlich eine vorzeitige Vertragsverlängerung. Seine Einsatzzeiten sank daraufhin. Der Wechsel nach Leverkusen war für ihn der erste Schritt weg von zu Hause.
Youssef Mokhtari, ehemaliger marokkanischer Nationalspieler und heutiger TV-Experte, analysiert die Situation: Ben Seghir müsse sich an die Intensität der Bundesliga gewöhnen. In der französischen Liga herrsche ein anderes Tempo. Mokhtari empfiehlt dem jungen Spieler, hart zu kämpfen und sich neu zu erfinden. Dann könne Leverkusen noch viel Freude an ihm haben.
Im Dezember soll Ben Seghir nach internem Plan wieder mehr Spielzeit in der Liga erhalten. Dies wird seine entscheidende Bewährungsprobe. Körperlich sei er nun vorbereitet. Beim 0:2 gegen Augsburg wurde er eingewechselt, konnte die Niederlage aber nicht verhindern. Schnell muss er einen Aufwärtstrend zeigen, denn ab 21. Dezember spielt er beim Afrika-Cup.
Die Rückkehr nach dem Afrika-Cup-Finale am 18. Januar wird für seine weitere Entwicklung entscheidend sein. Ben Seghir muss vor seiner Abreise die Wende einleiten und nach seiner Rückkehr an Selbsvertrauen gewinnen. Nur dann wird der 32-Millionen-Euro-Einkauf wirklich zur Verstärkung für Bayer Leverkusen.





