Ohne Scienza am Abgrund – wie kann das Team jetzt noch überraschen?
Der Wechsel von Leonardo Scienza vom 1. FC Heidenheim zu Southampton sorgte kurz vor Ende der Transferperiode für Aufsehen. Der vielseitige Offensivspieler verlässt die Bundesliga nach nur einer Saison, in der er besonders durch seine Leistungen in der Relegation auf sich aufmerksam gemacht hatte. Heidenheim erhält für den Brasilianer mit luxemburgischen Wurzeln eine Ablösesumme von rund neun Millionen Euro. Durch zusätzliche Boni könnte der Transfer sogar den bisherigen Rekordverkauf von Jan Niklas Beste übertreffen.
Sportlich stellt der Abgang von Scienza zunächst einen Rückschlag für Heidenheim dar. Der Aufsteiger hat in der Bundesliga bislang noch keinen Punkt geholt und verliert mit ihm einen Spieler, der Partien entscheiden kann. Viele Fans und Experten befürchten, dass die Chancen auf den Klassenerhalt dadurch geschmälert werden. Besonders in der Offensive mangelt es der Mannschaft an Durchschlagskraft, sodass Scienzas Kreativität und Dribbelstärke schmerzlich vermisst werden könnten.
Die Gerüchte um einen möglichen Wechsel hielten sich schon seit Beginn der Saisonvorbereitung. Scienza selbst äußerte sich nie eindeutig zu seiner Zukunft beim FCH und spielte immer wieder mit dem Gedanken an einen Vereinswechsel. „Im Fußball ist alles möglich. Nur Gott weiß, wie mein Weg aussieht“, erklärte der tiefgläubige Brasilianer häufig, was den Eindruck verstärkte, dass er einen Transfer anstrebte.
Noch vor einem Jahr zeigte sich Scienza begeistert vom Wechsel zu Heidenheim und sprach nach wenigen Tagen Training von einer neuen Familie und großer Dankbarkeit. In der jüngsten Saison aber war von dieser Euphorie wenig zu spüren. Trainer Frank Schmidt setzte ihn in der Rückrunde meist nur als Einwechselspieler ein, was Scienza offenbar nicht akzeptieren konnte.
Der Spieler, der sich selbst als Offensivkünstler bezeichnet und wenig Interesse am Defensivspiel zeigt, passte offenbar nicht uneingeschränkt in Schmidts taktisches Konzept. Schmidt, der viel Wert auf Teamgeist und kollektive Intensität legt, musste immer wieder Kompromisse eingehen, um Scienzas individuelle Klasse zu nutzen. Trotzdem war es schwierig, ihn dauerhaft ins Mannschaftsgefüge einzubinden.
Bei seinem letzten Auftritt in Leipzig zeigte sich das Dilemma besonders deutlich: Während Scienza in der ersten Halbzeit zwei große Chancen vorbereitete, tauchte er nach der Pause ab und war am Gegentor entscheidend beteiligt. Diese Inkonstanz war charakteristisch für seine Zeit beim FCH. Es bleibt abzuwarten, ob Heidenheim ohne ihn als geschlossene Einheit sogar stärker auftreten kann.
Auch für Scienza selbst ist der Schritt nach England ein Wagnis. Ob sein offensiver Spielstil in der physisch fordernden Championship zur Geltung kommt, ist fraglich. Zwar profitiert sein Konto vom Wechsel, doch ob dies auch seiner sportlichen Entwicklung dient, bleibt offen. Möglich ist jedoch, dass am Ende alle Beteiligten von diesem Transfer profitieren.





